Bei einem Wohnungsbrand ist die richtige taktische Vorgehensweise von entscheidender Bedeutung. Der Fokus liegt dabei auf einer schnellen Lagebeurteilung sowie der Menschenrettung und strategischen Brandbekämpfung mit gezielter Belüftung zur Rauchabfuhr.  An der Kreisfeuerwehrzentrale wird all das seit dem Jahr 2026 in einer Atemschutzübungswohnung trainiert – allerdings mit Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) in einer computergenerierten, künstlichen Umgebung.

Die im Untergeschoss mit Hilfe der Firmen Dräger und Ramrod XR geschaffene VR-Übungsanlage wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Verschiebbare Leichtbauwände bilden den Grundriss für ein „Appartement“, das aus Wohnbereich, Küche, Schlaf- und Kinderzimmer besteht. Die Möblierung ist spartanisch: Sie besteht aus simplen Holzquadern. Erst beim 360-Grad-Blick durch die VR-Brille erwecken die Räume zum Leben. Die Computersoftware lässt jetzt aus den Quadern Möbel, wie Tische, Stühle, Schränke und Betten entstehen. Und eine simple Übungspuppe bekommt durch die VR-Animationstechnik ein menschliches „Antlitz“.  Das Konzept der Kreisfeuerwehrzentrale bietet auf diese Weise  besonders realistische Übungsmöglichkeiten.

DSC07063In der Atemschutzübungswohnung üben die Feuerwehrleute die taktische
Vorgehensweise bei einem Wohnungsbrand – allerdings mit VR-Brillen in der virtuellen Realität.


DSC 7395Die Möblierung des Appartements besteht aus schlichten Holzquadern.


20251031 202716Erst beim Blick durch die VR-Brille erwecken die Räume zum Leben.

Vom Leitstand aus können verschiedene Szenarien eingespielt werden, die dann per VR-Brille in der virtuellen Realität zu sehen sind. Dazu zählt ein „Zimmerbrand im Obergeschoss mit Menschenleben in Gefahr (MIG)“ samt authentischer Flammen- und Rauchentwicklung. Bevor die Einsatzkräfte truppweise durch die Wohnungstür vorrücken, werden sie an beiden Armen und der Hüfte mit  sogenannten VR-Trackern ausgerüstet. Die kleinen Geräte verfügen über jeweils zwei Weitwinkelkameras. Damit wird die Position der Übungsteilnehmenden im Raum ermittelt und ihre physischen Bewegungen synchron in die virtuelle Realität übertragen. Mit einem „multifunktionalen Strahlrohr“, das ebenfalls mit einem VR-Tracker versehen ist, und einem luftgefüllten Spezialschlauch, dessen Position über eine Kamera an der Decke verfolgt wird, löschen die Feuerwehrleute den fiktiven Brand. 

Die VR-Technik ermöglicht das gefahrlose Üben komplexer und gefährlicher Situationen. Sie schont, im Gegensatz zu einem realen Übungsfeuer, zugleich die Umwelt und die Ausrüstung. Der Kreis Herford zählt deutschlandweit zu den ersten Kommunen, die eine solche Anlage realisiert haben.  

Bereits seit dem Jahr 2023 setzt der  Kreisfeuerwehrverband im Rahmen der praktischen Ausbildung ein (weiteres) modernes Trainingssystem ein. Mit der Technik aus den USA können Flammen digital nachgestellt und per Laserstrahl „gelöscht“ werden.

20230126 152809Modernes Trainingssystem: Flammen können digital nachgestellt und per Laserstrahl „gelöscht“ werden.